Psychotherapieplatzsuche: Schritt 2

Am 28. Oktober 2018 leiteten wir unsere Beitragsserie Psychotherapieplatzsuche – eine kleine Einführung in 3 Schritten ein. In Schritt 1 haben Sie einen Überblick über die verschiedenen Psychotherapieformen bekommen. Schritt 2 skizziert nun die psychotherapeutische Versorgungslandschaft und Schritt 3 (erscheint am 17. Februar 2019) beschäftigt sich mit der Vorbereitung auf die erste Psychotherapiesitzung. Viel Spaß beim Lesen von Schritt 2!


Bild: S. Kim - Norderney, Deutschland

Sandra Winter ist an diesem Freitagmorgen die erste in der psychiatrischen Institutsambulanz (PIA). Nachdem sie den Überweisungsschein von ihrer Hausärztin abgegeben hat und ihre Krankenkassenkarte eingelesen worden ist, bittet man sie noch ein wenig zu warten, bis sie aufgerufen werde. Sie betrachtet ihre kalten, vor Schweiß glitzernden Hände. Ihr Herz trommelt schneller als gewohnt gegen ihren Brustkorb. In der ersten PIA-Sitzung am 25. Dezember wollte sie vor allem etwas über die verschiedenen Therapieformen erfahren. Vor ihrem ersten PIA-Kontakt wurde nachts in der zentralen Notaufnahme eines Klinikums der Verdacht auf eine schwere depressive Episode gestellt. Die Trennung von der Lebensgefährtin, der Tod der Mutter, die Schulden, die übersehene rote Ampel, der Unfall, die schlaflosen Nächte, der Alkohol und dann noch diese quälenden Suizidgedanken - das war einfach zu viel. Gedankenversunken in der nahen Vergangenheit hört sie zunächst nicht die Stimme der psychiatrischen Krankenpflegerin, die sie aufruft. Ein paar Minuten später legt sich ihre Aufregung, als Sie ihrer Psychologin gegenüber sitzt.

Sandra Winter: Ich bin ja ein ziemlich depressives Wrack, finden Sie nicht? Alkoholprobleme, Depressionen, Suizidgedanken, Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Womit soll ich denn anfangen?

Psychologin: Diese Frage möchte ich gerne an Sie zurückgeben. Womit wollen Sie anfangen?

Sandra Winter: (Denkt länger nach) Wenn ich so in mich hineinhorche, dann möchte ich erst einmal vor allem irgendwie wieder in der Lage sein, mit meinem Leben klarzukommen. Aufstehen, einkaufen, zur Arbeit, eine Freundin besuchen und mich auf irgendetwas freuen können. Das will ich (fängt an zu schluchzen). Meine Bude ist so vermüllt. Ich will mich zu Hause wieder wohlfühlen. Dann sind da noch all die ungeöffneten Briefe, meine ungelesenen Mails. Alleine für die Briefe brauche ich mindestens eine Woche. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Dass ich eine Therapie machen möchte, steht für mich fest. Ich habe lange zwischen einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie und einer Verhaltenstherapie geschwankt. Die Verhaltenstherapie soll es erst einmal sein, denke ich.

Psychologin: Sie haben sich für eine Verhaltenstherapie entschieden. Und Sie wissen gar nicht, wie Sie das alles schaffen sollen. Ich möchte Ihnen gerne dabei helfen.


Sandra Winter: Wo finde ich eigentlich einen Therapieplatz?

Die Psychologin und Sandra Winter tragen alle Infos zur Therapieplatzsuche auf einem großen Blatt Papier am „Flipchart“ zusammen:

  • www.psych-info.de: PsychotherapeutInnen-Informationssystem für PatientInnen und Ratsuchende; u.a. ist eine schrittweise verfeinerbare Suche nach gewünschter örtlicher Lage mit Eingabemöglichkeit über genauen Ort, Straßennamen, Postleitzahl oder Landkarte.

  • www.psychotherapiesuche.de: Psychotherapie-Informationsdienst des Berufsverbandes Deutscher PsychologInnen e.V. (BDP); erste Schritte der Therapieplatzsuche werden kurz und aufschlussreich dargelegt, eine Therapieplatzsuche ähnlich wie bei "psych-info" und eine Telefonberatung sind möglich (Telefonische Beratungszeiten Mo+Di 10-13h &16-19h, Mi+Do 13-16h).

  • Die Bundespsychotherapeutenkammern, z.B. www.kvhh.net: Internetseite der kassenärztlichen Vereinigung Hamburg; Tel.: 040-228020. Genereller Hinweis der Bundespsychotherapeutenkammer: „Eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie auf den Internetseiten der Psychotherapeutenkammern. Dort können Sie suchen, indem Sie zum Beispiel Ihre Postleitzahl eingeben. Sie erhalten dann eine Liste der Psychotherapeuten in Ihrem Postbezirk. Bei den genannten Psychotherapeuten können Sie sicher sein, dass diese approbiert sind und sich deshalb auch als Psychotherapeut bezeichnen dürfen“ (Broschüre Wege zur Psychotherapie).

  • www.psychotherapeutenliste.de: Homepage der Vereinigung der KassenpsychotherapeutInnen; Psychotherapieplatzsuche durch Eingabe der Postleitzahl und Faltblätter zu „Psychotherapie“ und verschiedenen Krankheitsbildern wie „Sucht“.

  • www.therapie.de: Internetseite des Vereins Pro Psychotherapie e.V.; Wissenswertes zu den Themenbereichen Psychotherapie, Therapieverfahren, psychische Störungen, Ratgeber sowie eine Therapieplatzsuche mit Postleitzahl-Angabe können hilfreich sein.

  • www.degpt.de: Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie; Trauma-Therapieplatzsuche.

  • Ausbildungsinstitute für PsychotherapeutInnen mit abgeschlossenem Psychologiestudium: Die Ausbildung wird von erfahrenen PsychotherapeutInnen begleitet. Manchmal ist es möglich, in Ausbildungsinstituten schneller an einen Psychotherapieplatz zu kommen.

  • Krankenkassen: Es ist auch möglich, sich hilfesuchend an die Krankenkasse zu wenden, die durch TherapeutInnenlisten und/oder eine persönliche Beratung bei der Therapieplatzsuche unterstützend sein kann.

Sandra Winter: Darf ich Sie noch etwas fragen? Mir erzählte eine Krankenpflegerin, dass es auch Ärzte gibt, die Psychotherapie anbieten – stimmt das?

Psychologin: Sehr gerne dürfen Sie fragen. Psychologische Psychotherapeuten behandeln Kinder, Jugendliche und Erwachsene und haben im Anschluss an ein Psychologiestudium eine drei- bis fünfjährige psychotherapeutischen Ausbildung absolviert (Approbation als PsychotherapeutIn). Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie haben Medizin studiert und im Anschluss eine fachärztliche Weiterbildung für die Behandlung psychischer Krankheiten abgeschlossen. Sie können eine Psychotherapie durchführen, eine medizinische Diagnostik planen und Medikamente verordnen.


Sandra Winter erhält einen weiteren Termin im Februar. Zur Belohnung für die Sitzung in der PIA gönnt sie sich einen Cappuccino im von ehemaligen PatientInnen geleiteten Café und schnappt in einem Gespräch den Namen eines berühmten Psychotherapeuten unserer Tage auf, Irvin D. Yalom. Auf ihrem Handy schaut sie die ersten 10 Minuten eines möglicherweise inspirierenden Youtube-Videos an...


Yalom – Psychotherapeut aus Leidenschaft | SRF Sternstunde Philosophie (5.10.2014)


Quellen

  1. Flyer Psychotherapie der Suchtambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf: Informationen zur Psychotherapie zusammengestellt von Dipl. Psych. S. Schubert-Heukeshoven, überarbeitet von Michelle Kraft M. Sc. für die Suchtambulanz des UKE. Stand: August 2017

  2. Bundespsychotherapeuten Kammer Patientenbroschüre

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