Psychotherapieplatzsuche – das Wichtigste auf einen MBF-Blick

Psychotherapieplatzsuche verlangt den Suchenden einiges ab. Unsere Reihe „Psychotherapieplatzsuche – eine kleine Einführung in drei Schritten“ sollte verständliche, anschauliche und hilfreiche Antworten rund um das Thema Psychotherapie geben. Auch im Zusammenhang mit den zahlreichen, durch die lang andauernde Coronakrise bedingten psychosozialen Belastungsfaktoren ist es dem MBF-Team ein Anliegen, das Wichtigste zur Therapieplatzsuche kurz und knapp für Sie zusammenzufassen.


© G. Nachtigall / Kashgar, China

Das Deutsche Ärzteblatt berichtete im Dezember 2020 von der Studie „Psychische Gesundheit in der Krise“ der Pronova Betriebskrankenkasse BKK. Knapp 90 Prozent der befragten Psychotherapeut_innen geben an, dass sich soziale Isolation negativ auf die Psyche ihrer Patient_innen auswirken. Dass depressive Symptome zunehmend zu erwarten sind, geben vier von fünf Therapeut_innen an. Knapp 80 Prozent der Befragten nennen räumliche Enge zu Hause, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung und familiäre Konflikte, finanzielle Sorgen, Zukunftsängste und Angst vor Arbeitsplatzverlust als wichtige Stressfaktoren.


Immer mehr Studien belegen die negativen Auswirkungen der Coronakrise auf die psychische Gesundheit von Kindern. Der Weisse Ring verzeichnete 2020 deutlich mehr Opfer häuslicher Gewalt. In einem kürzlich erfolgten Interview der FAZ betont der Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeut_innen-Vereinigung Gebhard Hentschel, dass es eine deutliche Zunahme an psychotherapeutischen Videositzungen und generell eine steigende Nachfrage nach ambulanter Psychotherapie gebe. Auch aufgrund der Coronakrise möchten wir im Folgenden das Wichtigste rund um das Thema Psychotherapieplatzsuche einmal kurz und knapp für Sie zusammenfassen:


Psychotherapieplatzsuche


Allgemein:

Psychotherapie ist wirksam, was durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt ist. Vereinfacht lässt sich feststellen, dass sich der Gesundheitszustand bei 8 von 10 Menschen, die eine Psychotherapie absolvieren, im Durchschnitt stärker verbessert als bei Menschen, die keine Psychotherapie machen. Einige Psychotherapieformen haben sich in verschiedenen Studien als wirksam erwiesen.


Wo beginnen?

Die Bundespsychotherapeutenkammer bietet eine ausführliche Broschüre zur Therapieplatzsuche und zu den verschiedenen Verfahren. Dabei werden 9 grundlegende Fragen behandelt sowie Adressen und Infos zu Notfällen angeboten. Wem die 79 interessant gestalteten, informativen Seiten zu erschlagend sind, der kann sich einen ersten Überblick zu psychischen Erkrankungen z.B. auch mit Hilfe von www.psychenet.de verschaffen. Psychenet gibt unter der Rubrik „Hilfe finden“ wertvolle Ratschläge für Hilfesuchende. Auf www.psych-info.de kann man eine Postleitzahl eingeben, Suchoptionen wählen und PsychotherapeutInnen wohnortnah in der Region finden.


Mögliches Vorgehen:

  1. Vorstellung in der Poliklinik einer psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) zur orientierenden Diagnostik und Behandlungsplanung.

  2. Anbahnung einer ambulanten Psychotherapie bei niedergelassener psychologischer oder ärztlicher Psychotherapeutin. Hier kann zunächst nach einer Kurzzeittherapie gefragt werden. Es empfiehlt sich möglichst viele Therapeut_innen anzurufen. Absagen empfehlen wir namentlich zu sammeln und bei mindestens fünf Absagen mit der Krankenkasse ein Kostenerstattungsverfahren prüfen zu lassen, die eine Behandlung bei einer Therapeutin ohne kassenärztliche Zulassung möglich macht. Dafür ist auch eine Kontaktaufnahme zur Terminservice-Stelle empfehlenswert (Für Hamburg: Telefon: 040 55553830). Eine übersichtliche Darstellung findet sich auf der Webseite www.Wege-zur-Psychotherapie.org.

  3. Wir verweisen auch auf die Beratung durch die Telefonseelsorge (am Telefon, im Chat oder per Mail) 24h am Tag kostenlos aus ganz Deutschland. Telefon 0800 111 0111 oder 0800 1110222. Web.: www.telefonseelsorge.de


Therapieplatzsuche:

  • www.psych-info.de: PsychotherapeutInnen-Informationssystem für PatientInnen und Ratsuchende; u.a. ist eine schrittweise verfeinerbare Suche nach gewünschter örtlicher Lage mit Eingabemöglichkeit über genauen Ort, Straßennamen, Postleitzahl oder Landkarte.

  • www.psychotherapiesuche.de: Psychotherapie-Informationsdienst des Berufsverbandes Deutscher PsychologInnen e.V. (BDP); erste Schritte der Therapieplatzsuche werden kurz und aufschlussreich dargelegt, eine Therapieplatzsuche ähnlich wie bei "psych-info" und eine Telefonberatung sind möglich (Telefonische Beratungszeiten Mo+Di 10-13h &16-19h, Mi+Do 13-16h).

  • Die Bundespsychotherapeutenkammern, z.B. www.kvhh.net: Internetseite der kassenärztlichen Vereinigung Hamburg; Tel.: 040-228020. Genereller Hinweis der Bundespsychotherapeutenkammer: „Eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie auf den Internetseiten der Psychotherapeutenkammern. Dort können Sie suchen, indem Sie zum Beispiel Ihre Postleitzahl eingeben. Sie erhalten dann eine Liste der Psychotherapeuten in Ihrem Postbezirk. Bei den genannten Psychotherapeuten können Sie sicher sein, dass diese approbiert sind und sich deshalb auch als Psychotherapeut bezeichnen dürfen“

  • www.psychotherapeutenliste.de: Homepage der Vereinigung der KassenpsychotherapeutInnen; Psychotherapieplatzsuche durch Eingabe der Postleitzahl und Faltblätter zu „Psychotherapie“ und verschiedenen Krankheitsbildern wie „Sucht“.

  • www.therapie.de: Internetseite des Vereins Pro Psychotherapie e.V.; Wissenswertes zu den Themenbereichen Psychotherapie, Therapieverfahren, psychische Störungen, Ratgeber sowie eine Therapieplatzsuche mit Postleitzahl-Angabe können hilfreich sein.

  • www.degpt.de: Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie; Trauma-Therapieplatzsuche.

  • Ausbildungsinstitute für PsychotherapeutInnen mit abgeschlossenem Psychologiestudium: Die Ausbildung wird von erfahrenen PsychotherapeutInnen begleitet. Manchmal ist es möglich, in Ausbildungsinstituten schneller an einen Psychotherapieplatz zu kommen.

  • Krankenkassen: Es ist auch möglich, sich hilfesuchend an die Krankenkasse zu wenden, die durch TherapeutInnenlisten und/oder eine persönliche Beratung bei der Therapieplatzsuche unterstützend sein kann.


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