Gemeinsame Sensibilisierung gegen Gewalt und Zwang

Mit diesem Beitrag stellen wir zum Start des Wintersemesters die online Interviews "Bock auf Dialog?" mit dem Thema "der Gewalt begegnen" nach längerer Pause fort. Der Video-Beitrag wurde im Rahmen der Vorlesungsreihe "Zur Anthropologie von Gesundheit und Krankheit in der Psychiatrie" aufgenommen. Dieses Mal kommen Prof. Thomas Bock und Dr. Candelaria Mahlke zusammen und beleuchten das Erleben von Zwangserfahrungen aus der Sicht partizipativer Forschung. Viel Spaß beim Zuhören!


© Gabriel Nachtigall / Pietrasanta, Toskana

Ein Gastbeitrag von und mit Prof. Thomas Bock


Im gemeinsamen Gespräch mit Dr. Candelaria Mahlke bespricht Prof. Thomas Bock das Thema „Gemeinsame Sensibilisierung gegen Gewalt und Zwang".


Das Erleben von Zwangsmaßnahmen kann sehr nachhaltig verunsichern, das Vertrauen in die Psychiatrie erschüttern, alte traumatische Erfahrungen beleben. Das mitzubekommen, ist in einer leider zunehmend arbeitsteiligen Psychiatrie nicht selbstverständlich. Aber wertvoll. Umgekehrt kann es auch für die betroffenen Patient:innen wichtig sein, mitzubekommen, dass Profis (hoffentlich) nicht leichtfertig Zwang ausüben, auch selber unter dieser Erfahrung leiden können. Das spricht für mehr Kontinuität im Umgang mit Krisen, für mehr Mobilität, für mehr systematische Nachbesprechungen wie auch für jede Art von Prävention. Es spricht aber auch für subjektorientierte Fortbildungen, in denen beide Seite authentisch zu Wort kommen. Von der trialogischen Entwicklung einer solchen Fortbildung berichtet Frau Dr. Candelaria Mahlke. Nebenbei wird spürbar, welchen Wert partizipative Forschung in diesem Zusammenhang hat.

Link: Lecture2Go Universität Hamburg


Ziel der Vorlesungsreihe Anthropologische Psychiatrie ist seit ihrem Start im Jahr 2000, psychischen Erkrankungen nicht auf die Abweichung von Normen oder die Folge entgleister Transmitter zu reduzieren, sondern den ganzen Menschen zu sehen und den fließenden Übergang zu betonen: Niemand ist nur gesund oder nur krank. Unser Verständnis von Krisen und Hilfen muss widersprüchlich und vielseitig sein, hat auch eine politische und kulturelle Dimension: Seelische Gesundheit erfordert gesunde Umwelt und soziale Städte/Orte, eine gesunde Verteilung von Ressourcen - mit Vorteil für alle: Was psychisch sensiblen Menschen gut tut, ist gesund für uns alle.

Diese Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Irre menschlich Hamburg e.V. und psychenet.