Psychotherapieplatzsuche: Eine kleine Einführung

Aktualisiert: 5. Jan 2019


In diesem Artikel leiten wir unsere Beitragsserie zur "Psychotherapieplatzsuche in 3 Schritten" ein und wollen infolge in Schritt eins die verschiedenen Psychotherapieformen vorstellen, Schritt zwei thematisiert die Versorgungslandschaft und Schritt drei beschäftigt sich mit der Vorbereitung auf die erste Psychotherapiesitzung. Viel Spaß beim Lesen der Einführung!  


Bild: G. Nachtigall - Pietrasanta, Italien

Vor dem ersten Schritt: Eine Einleitung zur Therapieplatzsuche

Kennen Sie vielleicht die maslowsche Bedürfnispyramide? Diese stellt einen Versuch dar, die menschlichen Bedürfnisse hierarchisch zu strukturieren. Inbegriffen sind z.B. körperliche Bedürfnisse (ausreichend Schlaf, Einatmung sauberer Luft, Trinken sauberen Trinkwassers, gesunde Ernährung), Sicherheitsbedürfnisse (Gesundheit, Schutz vor Gefahr, Unterkunft) und soziale Bedürfnisse (Sexualität, Partnerschaft, Freundeskreis). Psychische Störungen können unter anderem dann entstehen, wenn die Grundbedürfnisse aus dem Gleichgewicht geraten. Natürlich lässt sich streiten, ob man die Pyramide im Einzelfall um die Kategorien Internetzugang, Schokolade und Eis erweitern müsste – das mag jeder für sich bei der Erstellung einer individuellen Pyramide selbst entscheiden. Indiskutabel erscheint uns jedoch, dass jedem psychisch Leidenden ein zeitnaher Psychotherapieplatz in Aussicht gestellt werden sollte.


Ein Fall-Beispiel: Schulden, Trennung von der langjährigen Lebensgefährtin, drohender Arbeitsplatzverlust, Tod der Mutter, Eigenbedarfsanmeldung des Vermieters, eine übersehene rote Ampel und ein immer voller werdendes Weinglas am Abend begleiten den Herbstanfang von Sandra Winter. Während die Nächte immer länger werden, wird ihre Gesamtschlafzeit immer kürzer und sie wacht morgens mittlerweile schon eine Stunde vor dem Weckerläuten auf. Für das Beantworten einer Mail am Arbeitsplatz braucht sie inzwischen mehr als eine Stunde und das Haus verlässt sie kaum noch. Ihr Kühlschrank wird immer leerer, ihre Hosen werden immer weiter und eines Nachts erschrickt sie, als sie sich dabei erwischt, wie sie in Gedanken einen Suizid plant. So kann es nicht weitergehen, entscheidet sie prompt und begibt sich nachts um 1 Uhr in die zentrale Notaufnahme des nächstgelegenen Klinikums.


"Circa jeder dritte Mensch wird einmal im Leben psychisch krank."

Psychisches Leiden kann in unterschiedlichster Form auftreten und betrifft uns alle, direkt oder indirekt. Circa jeder dritte Mensch wird einmal im Leben psychisch krank. Wann sich jemand psychotherapeutischen Rat einholt, darf und soll jeder für sich entscheiden können. Wenn es nicht mehr möglich ist, zufriedenstellend am Leben teilzunehmen (Freundschaft, Beziehung, Hobbys) und alltägliche Aufgaben nicht mehr bewältigt werden können (Beruf, Haushalt, Körperpflege u.a.), wenn die Alltagsstruktur in tausend bunte Scherben zu zerfallen droht, dann könnte dies ein Indiz für ein psychisches Problem darstellen. Manchmal helfen FreundInnen, die Familie, ein längerer Spaziergang oder eine Auszeit nicht mehr weiter. Mit diesem Leidensdruck soll niemand alleine fertigwerden müssen. Profis können beraten, unterstützen und Optionen für einen Weg aus der Krise anbieten und doch muss im Schnitt 20 Wochen auf einen Therapieplatz gewartet werden. Trotz Therapiereform im April 2017 hat sich daran wenig geändert.

"Profis können beraten, unterstützen und Optionen für einen Weg aus der Krise anbieten."

Der Begriff „Psychotherapie“ leitet sich aus dem Griechischen ab: „Psyche“ steht für Atem, Hauch oder Seele und „Therapie“ für Heilung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedürfnisse, Ziele und der Leidensdruck der/des Betroffenen. PsychotherapeutInnen können ein wichtiger Begleiter bei psychischer Belastung sein und dabei helfen, Wege für die Genesung zu finden – die Frage, die wir in diesem dreiteiligen Beitrag beantworten wollen, kann wie folgt formuliert werden: Wie findet man eigentlich diese Profis?


Bis dahin wollen wir im Folgenden schon einmal eine kleine Auswahl an Links zur Verfügung stellen, die bei der Vorbereitung auf die Therapieplatzsuche helfen können. Die Bundespsychotherapeutenkammer bietet eine ausführliche Broschüre zur Therapieplatzsuche hier. Dabei werden 9 grundlegende Fragen behandelt sowie Adressen und Infos zu Notfällen angeboten. Wem die 79 interessant gestalteten, informativen Seiten zu erschlagend sind, der kann sich einen ersten Überblick z.B. auch mit Hilfe von psychenet verschaffen. Psychenet gibt unter der Rubrik „Hilfe finden“ wertvolle Ratschläge für Hilfesuchende. Auf psychinfo kann man eine Postleitzahl eingeben, Suchoptionen wählen und PsychotherapeutInnen in der Region finden. Schließlich noch ein kurzer Beitrag von NDR Panorama 3 zum Thema. 


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